Dienstag, 1. Oktober 2013

Buchkritik: Laura Dekker, Ein Mädchen, ein Traum

Eine moderne Amazone umsegelt die Welt


Laura Dekker setzte ihren Traum in die Realität um


Einen Riesenhype gab es in der Presse vor einigen
Jahren wegen einer jungen Niederländerin. Das
Mädchen namens Laura Dekker wollte mit einem
Segelboot die Welt alleine umrunden. Mit 13 Jahren
war Laura Dekker schon alleine nach England gesegelt.
Doch bis zum 16. Lebensjahr ist in den Niederlanden
Schulpflicht. In der Presse gab es einen Aufschrei
gegen eine 13jährige, die mit einem eigenen Segelboot
so ein Abenteuer auf sich nehmen wollte. Doch das
junge Mädchen gab nicht auf. Schlussendlich bereiste
sie die Welt und schrieb darüber ein Buch. Wer dieses
liest, lernt auch einmal die Sichtweise der Niederländerin
kennen. Es relativiert sämtliche Negativ-Schlagzeilen
aus der Boulevard-Presse. Der Preis, den Laura Dekker
zahlte, war hoch. Sechsmal musste sie nach eigenen
Angaben vor Gericht. Auch am Ende ihres Segelturns
dachte sie mit Grauen an jene Zeit zurück. Laura
Dekker wird durch ihr Buch als ein Mensch sichtbar,
der alleine sein kann, schon ziemlich eigenständig ist
und sehr medienscheu. Die vielen Kameras unterwegs
von Schaulustigen mochte sie nicht, vor allem
nicht direkt bei Landgang. Und auf hoher See besticht
ihre besondere Eigenschaft, in Seelenruhe Probleme
anzugehen. Einfach hatte es die Niederländerin nicht.
Geboren wurde sie als Tochter einer Deutschen und
eines Niederländers in Neuseeland auf einer Weltreise
ihrer Eltern. Die dauerte sieben Jahre lang. Im Alter
von sechs Jahren musste sie die Trennung ihrer Eltern
miterleben. Laura blieb auf eigenen Wunsch bei ihrem
Vater, der ihr das Autofahren beibrachte und sie in
ihren Segelambitionen unterstützte. Mit 15 Jahren
stach sie mit ihrer "Guppy" in See. Von den Niederlanden
nach Spanien, zu den Kapverdischen Inseln, dann
in die Karibik, von da durch den Panama-Kanal. Ferner
an Südafrika vorbei, nach Australien und in den
Pazifik. Sie las an Bord gerne, buk Brot, wusch
Wäsche, räumte auf, sah den Mond an, aß mit anderen
Seglern. Da sie wenig Geld hatte, trampte sie auch
schon mal. Doch auch ihre Schulaufgaben macht sie
an Bord gewissenhaft. Manchmal, wenn sie 100 Tage
alleine auf See war, fühlte sie sich auch mal einsam.
Aber sie genoss es, fremde Menschen zu treffen. Das
klingt alles fast zu einfach und schön, um wahr zu sein.
Doch die Niederländerin mit dem Segel-Gen bewies
allen, dass auch ein so junges Mädchen es alleine
schaffen kann. Astrid Lindgren mit ihren unangepassten
Figuren hätte wohl ihre Freude an ihr gehabt.
(c) Corinna S. Heyn

www.lauradekker.nl.

Laura Dekker,
Ein Mädchen, ein Traum.
Solo um die Welt.
Delius Klasing 2013

Donnerstag, 21. Februar 2013

Buchkritik: Wolfgang Traub, Flügel am Kopf

Ich bin dann mal kreativ

Jeder kann seine Kreativität schulen - ein Buch zeigt wie


Jeder Mensch ist kreativ. Das zumindest behauptet
Wolfgang Traub. Der gebürtige Frankfurter bestreitet
seit 30 Jahren seinen Lebensunterhalt mit Zeichnen,
Malen und Schreiben. In seinem launigen sowie
lehrreichen Buch "Flügel am Kopf" bringt er den
Leser auf die Spur des Unbewussten. Denn entgegen
dem System der  Logik forscht das Gehirn unbewusst
auch nach Lösungen. Beinahe unbemerkt sozusagen.
Vorausgesetzt, der Einzelne formuliert sein Problem
und lässt dann los. Verbissen nachzugrübeln bringt
nichts. Wer kennt das nicht: da fällt einem in einem
Gespräch ein Name nicht ein, aber später in der
Entspannung. Isaac Newton soll die mathematische
Formel für die Gesetze der Schwerkraft unter einem
Apfelbaum eingefallen sein. Als Newton nämlich ein
Apfel auf den Kopf fiel. Not macht übrigens erfinderisch.
Das Gehirn ist begierig danach, Lösungen zu finden.
Ein Steinmetz wollte sich in Zürich etablieren. Aber
ihm fehlte das Geld für Inserate. Da stellte er vor dem
Friedhof ein Fahrrad mit Flyern in einem Korb auf.
Diese Werbeidee fand ein Redakteur so gut, dass er
einen Artikel über den Handwerker mit Pfiff schrieb.
Jeder, der noch kreativer sein will, kann ein wenig
üben. Den Blickwinkel verändern oder die Übungen
mit Schriften, Assoziationen, Suchbildern oder
Grafiken aus dem Buch von Wolfgang Traub durcharbeiten.
Die machen Laune. Mal sollen Sätze mit ein und
demselben Buchstaben gebildet werden oder eine Firma
mit Filmstars besetzt werden. Das alles klingt ein wenig
nach Party-Spiel, ist jedoch äußerst kreativ. Wer im
realen Leben überzeugen will, braucht aber noch
mehr als gute Einfälle. Der Kunde muss sich wohlfühlen
und das Gefühl haben, dass er gemeint sei. Wie kreativ
ein Unternehmen geführt wird, steht ebenfalls in
der Neuerscheinung. Es soll für Nicht-Kreative als
Training gedacht sein, doch werden auch Künstler
ihren Spaß dabei haben.
(c) Corinna S. Heyn


Wolfgang Traub,
Flügel am Kopf.
Das Kreativitätstraining für Nicht-Kreative.
BusinessVillage Verlag 2013.

Dienstag, 4. September 2012

Buchkritik: Hans Peter Schütz, Wolfgang Schäuble

Die zwei Gesichter des Wolfgang Schäuble


Hans Peter Schütz in einem einfühlsamen Porträt über den Bundesfinanzminister mit Handicap und zwei Leben


Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lebt sein zweites Leben nach einem
Attentat eines psychisch gestörten Mannes. Der Bundesfinanzminister benutzt
dazu seit 1990 den Rollstuhl. In der Öffentlichkeit ist von Wolfgang Schäuble
nur zu hören, wenn etwas politisch Brisantes geschieht. Aber wer ist der Mann,
der einst eng mit Ex-Kanzler Helmut Kohl befreundet war? Wie tickt er privat?
Diesen Fragen ging der stern-Korrespondent Hans Peter Schütz in seinem
neuen Buch "Wolfganz Schäuble - Zwei Leben" nach. Der gebürtige
Donaueschinger sprach mit Ingeborg Schäuble, mit Thomas Schäuble,
Oskar Lafontaine, Theo Waigel und Hermann Otto Solms. Dabei fächert
der Verfasser sowohl politische Werdegänge auf als auch sehr private
Momente aus dem Alltag als Spitzenpolitiker mit Handicap. Das ist das
Interessanteste, den Machtmenschen als Persönlichkeit mit Schwächen und
Stärken begreifen zu lernen. So ist zu lesen, dass seine Frau Ingeborg Schäuble
lange Zeit schlechter mit der Behinderung zurecht kam als der Betroffene
selbst, der sich sofort in die Parteiarbeit stürzte. Der Bruder Thomas Schäuble
spricht von einer Verbitterung, die er jedoch nicht gespürt hat als Veränderung
an ihm. Eher andere wie Hans-Jochen Vogel. Das Buch wirbt auch um
Verständnis für einen Bundesminister, der durch das viele Sitzen im Rollstuhl
einiges an Schmerzen ertragen muss oder auch Klinikaufenthalte wie im
Frühjahr 2010, als eine Wunde am Steiß nicht heilen wollte. Teilweise müssen
Querschnittsgelähmte bis zu sechs Monaten seitlich liegen, damit Entzündungen
heilen könnenö. Schäuble, der einiges aushält, bot der Kanzlerin sogar seinen
Rücktritt wegen seiner krankheitsbedingten Ausfälle an. Doch sowohl Wolfgang
Schäuble als auch Angela Merkel ließen sich von der Schwäche 2010 nicht
beeindrucken. In seiner berüchtigten Art meinte er auf Nachfragen: "Ich habe
es nicht am Kopf, sondern am Hintern." Angela Merkel hielt zu ihm, gab ihm
Zeit. Zur Genesung. Schäuble regierte auch im seitlichen Liegen. Als
Bundesfinanzminister steht Wolfgang Schäuble für noch mehr Europa. Eine
besondere Ehre wurde ihm am 12. Dezember 2011 zuteil, als er von der
Verleihung des Aachener Karlspreises für seine Beiträge zur Stabilisierung
der Währungsunion und zum europäischen Einigungsprozess erfuhr. Ein
Lichtblick in seiner politischen Laufbahn. Für Wolfgang Schäuble ist ein
Leben im Rollstuhl leichter in der Politik zu ertragen als ohne. Politik
als Therapie gegen Grübeln könnte dahinter stecken. Das Buch zeigt
den Politiker auch mit vielen Schwächen, die ihn überaus sympathisch
machen. Der Autor blickt hinter die Kulissen der politischen Bühne, auf
der er agiert.
(c) Corinna S. Heyn

Hans Peter Schütz,
Wolfgang Schäuble.
Zwei Leben. Ein Porträt.
Gebunden.
Droemer 2012
Preis: 19,99 Euro

Mittwoch, 6. Juni 2012

Buchkritik: Jens Förster, Unser Autopilot



Ziele finden und umsetzen - wie Motivation funktioniert

Die psychologische Forschung hat neue Erkenntnisse über unser
Verhalten


Jens Förster wollte in die Niederlande ziehen und wurde
dort sogar Professor für Psychologie an der Universität
in Amsterdam. Er ist Direktor des Kurt-Levin-Instituts.
In seinem neuesten Sachbuch "Unser Autopilot" erklärt er,
was Menschen motiviert und was sie hemmt. Dabei lässt er
sehr viele seiner eigenen, persönlichen Erfahrungen
miteinfließen. Somit hat der Ratgeber auch eine sehr
intime Note, die den Wissenschaftler sehr menschlich
macht. So schwört Förster auf italienische Nudeln, obwohl
sie in der Blindverkostung nicht besser als deutsche Nudeln
schmecken. Der Mensch ist jedoch anpassungsfähig - bis zu
einem bestimmten Grad. Jens Förster selbst hat sich daran
gewöhnt, in den Niederlanden mittags ein Sandwich zu essen,
weil das so üblich ist. Andere Überzeugungen wie "Ich hasse
Mallorca" sind hartnäckiger. Dabei sei das Beharren auf einer
selbst gefassten Meinung unflexibel und sogar dumm. Jeder
kann sich verändern, wenn er das will. Davor steht jedoch
eine positive Grundhaltung. Wer über Fehler oder mögliche
Probleme grübelt, wird kein Ziel in Angriff nehmen. Das lenkt
zu sehr ab, lähmt sogar. Interessanterweise erscheinen Ziele
aus der Ferne sehr reizvoll. Wer ein Baby haben will, der
stellt sich das Familienleben rosig vor. Wenn das Kind dann
dauernd schreit, quengelt oder nicht schläft, sieht der Alltag
anders aus. Doch Optimisten kommen selbst damit klar. Es gibt
auch unangenehme Ziele wie eine Operation, die manche vor sich
herschieben. Die Angst davor kann durch das Vertauen zum Arzt
gemildert werden. Wann wird der Mensch am meisten motiviert?
Dazu gibt es Studien von A. W. Kruglanski. Sie besagen: "Je
weniger Mittel für ein Ziel zur Verfügung stehen, desto stärker
wird es aktiviert." Wer nur ein Ziel hat, der setzt alle
Energien hinein. Schlägt es allerdings fehl, gibt es so schnell
keine andere Alternative. Der Autor rät, nicht alles auf eine
Karte zu setzen. Er selbst ist Psychologie-Professor und
Chansonnier. Um Stress bei Misserfolgen zu reduzieren, sollten
soziale Kontakte als Ausgleich gepflegt werden. Wer sich zu
etwas berufen fühlt, wird es auch umsetzen, motiviert sein und
gute Leistungen bringen. Auch Lob von außen kann guttun.
Förster widerlegt aber, dass die Belohnung unbedingt nach einer
erbrachten Leistung erfolgen soll. Anscheinend schließt der Einzelne
sonst daraus, dass er auf die Aufgabe eigentlich gar keine Lust
hatte. Der Psychologe gibt Anleitungen, wie motivierend gelobt
wird. Wenn sich andere an dem eigenen Erfolg freuen, dasselbe
sagen, dann wirkt sich das positiv aus. Geld jedoch wirkt als
Motivationsbremse. Nichts motiviert so stark wie der Erfolg,
heißt es. Optimisten bringen die nötige Grundhaltung mit,
wodurch eher mit Erfolgsergebnissen zu rechnen ist. C. S. Carver
und M. F. Sheier belegten das. Optimisten sind sehr aktiv, sie
sehen Durststrecken als Lernerfahrungen und könen mit Stress
besser umgehen. Ideal ist eine Balance zwischen Problemlösen
und Zerstreuung. Das bestätigte Margaret Stroebe in ihrer Arbeit
zum Umgang mit Trauer. Bei aller Zielsetzung darf der Spaß an
der Tätigkeit nicht vergessen werden. "Nur derjenige ist ein
Gewinner, der auch beim Laufen Spaß hatte", formuliert es Jens
Förster in Bezug auf Olympioniken. Nicht erst der Gewinn der
Medaille macht alles aus. "Derjenige, der sich allein für den
Moment der Siegerehrung quält, hat das Wertvollste, was er hat,
vertan: seine Zeit", so Förster. Leben ist lebenslanges Lernen.
Rückschläge sind Lebenserfahrungen. So sollte die Flinte beim
ersten Hindernis nicht ins Korn geworfen werden. Schön ist, dass
auch das Unterbewusstsein an den Zielen arbeitet, wenn sich diese
im Kopf festgesetzt haben. Der Autopilot arbeitet zu unseren
Gunsten, wenn die Ziele tief verinnerlicht und verankert sind.
Das allein müsste Ansporn genug sein, die eigenen Wünsche endlich
wahr werden zu lassen. Ein kämpferisches Buch für alle, die
mehr Freude an der eigenen Lebensgestaltung haben wollen.
(c) Corinna S. Heyn


Jens Förster,
Unser Autopilot.
Wie wir Wünsche verwirklichen und Ziele
erreichen können.
Von der Motivationspsychologie lernen.
Deutsche Verlags-Anstalt 2012.
www.dva.de

Donnerstag, 13. Oktober 2011


Die Strategien der Sieger

Was Stars wie Heidi Klum, Sharon Stone und Roger Federer gemeinsam haben und was wir von Top-Leuten lernen können


Heidi Klum ist eines der gefragtesten Models und prangt im Dauereinsatz auf sämtlichen Titelseiten. Ihr strahlendes Lächeln und ihr natürliches Wesen sind sehr gefragt. Dabei begann ihre Karriere erstmal steinig. Obwohl die gebürtige Westfälin nach New York ging und auch Titelseiten wie "Self" zierte, dauerte es ab 1995 noch vier Jahre, bis ihr der Durchbruch gelang. Lange Zeit machte sie Werbung für Versandkataloge, bis sie endlich bei Victoria’s Secret unter Vertrag genommen wurde. Das erfolgreiche Model glaubte auch in Zeiten an sich, als ihr der Mut durchaus hätte sinken können. Denn im Gegensatz zu Kate Moss war sie üppig gebaut und in Paris war 1993 genau dieser spindeldürre Typ gefragt. Heidi Klum peilte immer ein Ziel an und arbeitete darauf hin wie darauf, für Sports Illustrated Bademoden vorzuführen. Sie stürzte sich für das Shooting in Konditionstrainings und achtete auf ihre Ernährung. Der Coup gelang ihr wie - fast - alles in ihrem Leben. Auch privat münzte sie die Trennung von ihrem Ex-Freund Flavio Briatore in ein neues Glück mit dem Schmusesänger Seal um, mit dem sie ihr erstes gemeinsames Kind bekommen hat.

Von Spitzenmanagern lernen

Auch Spitzemanager machen vor, wie Erfolg funktioniert. Um Weltklasse zu sein, bedarf es einem langen Atem und der Treffsicherheit. Unternehmen wie Coca-Cola, Microsoft, Aldi oder Siemens haben ihr Konzept für einen langanhaltenden Erfolg gefunden. Der variiert je nach Produktsparte. Aldi bietet Qualitätswaren zu konkurrenzlos niedrigen Preisen an. Microsoft ist stark in der Entwicklung und dem Vertrieb von Betriebssystemen und anderen Softwarelösungen. Siemens lässt Ingenieure elektronische Produkte für Business oder Consumer entwickeln. Das allein reicht allerdings nicht. Das Management muss langfristige Ziele setzen. Erfolgreiche Menschen haben einen unerschütterlichen Glauben an sich und ihre Fähigkeiten. Sie visieren etwas an und lassen sich auch durch Rückschläge niemals entmutigen. Legendär sind die Beispiele aus der Geschichte. Nachdem Fred Astaire 1933 seine ersten Probeaufnahmen gemacht hatte, urteilte der Regisseur von MGM in einer Notiz: „Kann nicht schauspielern, Halbglatze, kann ein bisschen tanzen!“ Astaire, so heißt es, rahmte sich diese Notiz später ein und hängte sie über den Kamin seiner Villa in Beverly Hills. Auch Albert Einstein, der Begründer der Relativitätstheorie musste sich Hohn und Spott gefallen lassen. Über ihn wurde gesagt: „Er trägt keine Socken und vergisst, sich die Haare zu schneiden zu lassen. Könnte geistig zurückgeblieben sein.“ Erfolgreiche versuchen es weiter, Erfolglose suchen nach einer Ausrede.

Die Zielscheibe im Auge

Exzellente Manager steuern unter kurzfristigen Bedingungen und behalten den Horizont im Auge. Top-Führungskrägte planen mehrere Schritte im voraus. Dazu ein Statement von Larry Bossidy, dem ehemaligen Chairman und CEO von Honeywell: „Ich gebe nicht viel um diesen Blödsinn, man müsse kurzfristige Quartalsgewinne erreichen auf Kosten langfristiger Investition und Leistung. Sie müssen die richtige Ausgewogenheit finden zwischen dem Erzeugen der richtigen Erwartungen und dem Erreichen Ihrer kurzfristigen Quartalsziele, während Sie gleichzeitig einen Weg finden, die richtigen Investitionen für langfristiges Wachstum anzulegen.“ Klingt kompliziert, ist aber machbar, wie viele Beispiele aus der Wirtschaft zeigen. Insbesondere dann, wenn sich Leidenschaft für ein Produkt oder eine Dienstleistung mit dem kühlen Sachverstand und Instinkt paaren. Wer von seiner eigenen Ware nicht überzeugt ist, wird andere niemals mitreißen können. Da nützen auch gute Produkte und kühle Rechenspiele nichts. Thomas A. Edison wusste: „Erfolg hat nur, wenn er etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.“ Und der Unternehmer Philipp Rosenthal gibt den Ratschlag: „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ Malcolm Forbes, ebenfalls Manager setzt auf Risikobereitschaft und formulierte einmal: „Wer Angst vor Misserfolg hat, wird niemals wirklich Erfolg haben.“

Eine besondere Leidenschaft

Starbucks ist eines der besten Beispiele dafür, was die eigene Überzeugung ausmacht. Howard Schulz war immer schon vom Kaffee, von Kaffeehäusern und dem würzigen Duft der Kaffeebohnen fasziniert. Diese Begeisterung war der Motor, der ihn zu einem Kaffeeexperten werden ließ. In Mailand beobachtete er das Treiben in den Capuccinobars, nachdem er in San Francisco bei Starbucks Coffee Company als Leiter Verkauf und Marketing gearbeitet hatte. Seine jahrelangen Studien in Italien überzeugten ihn, in den USA einen neuen Markt zu eröffnen. Zunächst gründete er „Il Giornale“ und bewies mit dieser eigenen kleinen Kaffee-Kette auch Starbucks, dass sein Konzept funktionierte. 1987 kaufte Howard Schultz das grüne Logo von Starbucks. Starbucks gehört heute zu einem weltweit bekannten Unternehmen, das unmittelbar mit Feinschmeckerkaffee und Ausgehen in Verbindung gebracht wird. Übrigens war Howard Schultz keiner, dem der Erfolg in die Wiege gelegt worden war. "Meine Chancen, so erfolgreich zu werden, waren so schlecht, dass Sie nie auf mich gewettet hätten. Ich wollte immer so eine Art von Unternehmen aufbauen, in dem mein Vater, ein Lkw-Fahrer und Fabrikarbeiter, der eines Tages verletzt wurde und am nächsten Tag seinen Job los war, eine Chance bekommen würde zu arbeiten.." Schultz ließ sich von seinem Herzen leiten und hatte ein langfristiges Ziel, das er in kleine Einzelschritte zerlegte.

Viel Einsatz nötig

Überdurchschnittliches Engagement führt automatisch zu einer Spezialisierung. Und das trotz oder gerade durch Fehlschläge auf dem Weg zum ersehnten Ziel wie damals bei dem Tennis-As Steffi Graf, die mit 26 Jahren schon alles gewonnen hatte, was es zu gewinnen gab. Bereits mit vier Jahren spielte sie stundenlang im Hobbykeller ihrer Eltern Tennisbälle gegen die Wand. Ihr eigen waren schon damals Besessenheit und eine besondere Hartnäckigkeit. Mit sechs Jahren gewann sie das „Zwergl-Turnier“, mit acht ihr erstes Turnier. 1981 wurde sie Europameisterin in der Klasse bis 14 Jahre. Die Spitzensportlerin war extrem Ziel fiixiert, ehrgeizig und niemals mit sich zufrieden. Aber noch ein Faktor spielte eine Rolle, wie aus ihren Aussagen hervorgeht: ‘Aber vielleicht versuche ich zu oft, meine Grenzen zu erfahren.’ Steffi Graf blickte immer voraus, auf die nächste Herausforderung. "An den Gründen für meine Motivation hat sich eigentlich seit Jahren nichts geändert. Ich möchte besser und besser werden", sagte sie 1994 gegenüber der Presse. Der Erfolgsautor Dale Carnegie wusste, dass Zielvorgaben absolut wichtig für den Erfolg sind: ‘"Sich kleine Ziele setzen. Sie erreichen. Sich neue, etwas größere Ziele setzen. Sie erreichen - so funktioniert Erfolg." Natürlich gehört auch Hartnäckigkeit dazu wie Ernst R. Hauschka sagte: „Wer Ausdauer besitzt, ist fast schon am Ziel.“ Und eiserne Disziplin wie bei Karl Lagerfeld, der unermüdlich arbeitet. Steffi Graf kannte diesen Schlüssel bereits früh. Sie urteilte über Tennis-KollegInnen: "Viele haben das Zeug zu einer großen Tenniskarriere, aber nur wenige haben die Selbstdisziplin, die dazu nötig ist." Erfolgreiche haben eine große Frustrationstoleranz. In Max Schmelings Wortschatz kam der Begriff „aufgeben“ gar nicht vor. Auch Evander Holyfield, Box-Weltmeister sah das so: „Nicht aufgeben ! Es gibt Rückschläge, aber es gibt keine endgültige Niederlage.“

Diverse Faktoren sind wichtig

Arbeitswille, Beharrlichkeit, Begeisterungsfähigkeit, Geduld, Integrität, Intuition, Mut, Risikobereitschaft, Selbstdisziplin, der Wille und die Zuversicht sind Schlüsselfaktoren auf dem Weg zum Ziel. Ohne pausenloses Training würde kein Spitzensportler auf das Siegertreppchen gelangen. Ohne die Beharrlichkeit hätten weder Marilyn Monroe noch Erfolgsautor Stephen King ihren Ruhm erlangt. Stephen King schrieb trotz anfänglicher Absagen durch 30 Verlage konsequent weiter und landete mit ‘Carrie’, seinem fünften Roman, Welterfolg. Walt Disney klapperte 302 Banken ab, bis er endlich einen Kredit bekam. Allen erfolgreichen Menschen ist eines gemeinsam: sie nahmen ihr Leben in die Hand und agierten. Sie warteten nicht ab, sondern begannen sofort damit, sich auf ihr Ziel hinzubewegen. Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der damit angefangen hatte, kleine Steine wegzutragen.“ Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, heißt ein anderes.

Visualisierung des Vorhabens

Erfolgreiche Menschen steuern nicht nur kontinuierlich auf ihr Ziel zu, sie visualisieren es auch gedanklich. Für den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner beginnt die Erreichung eines Vorhabens im Kopf. Zunächst mit einem Wunschtraum, dann mit der Idee, der Vision und schließlich mit dem konkreten Konzept. Alle Einzelheiten speichert er im Kopf bildlich ab. Genau wie alle anderen erfolgreichen Menschen erwartet er, dass er dort ankommt, wo er hin will. Der eiserne Wille ist eine starke Macht. Durch diesen Willen nahm er eine harte Vorbereitung und Rückschläge in Kauf. Es war der Preis, den er dafür zu zahlen bereit war. Doch die Besessenheit von etwas lässt jeden diese Hürden als Weg zum Ziel und nicht als Probleme sehen. Messner formulierte es so: „Mit der richtigen Einstellung kann ich auch das hundertste Hindernis bewältigen.“ Die Gedanken kann jeder mit ein wenig Übung steuern. Häufig wiederholte mit Emotionen angereicherte Gedanken werden irgendwann Realität. Messner rät dazu, die Realutopien im Halbschlaf zu visualisieren. Dadurch werden sie im Unterbewusstsein verankert. Es ist grundsätzlich sicher angenehmer, eher Positives als Negatives anzunehmen. Anstatt sich an unglückliche Situationen zu erinnern, können genauso gut frühere Erfolge aus dem Gedächtnis abgerufen werden. Vor allem in Krisenzeiten kann dieses mentale Training einen aus dem Tief herausholen.
(c) Corinna S. Heyn

Nathalie Daiber/Richard Skuppin, Die Merkel-Strategie. Deutschlands erste Kanzlerin und ihr Weg zur Macht. Hanser Verlag 2006

Bolko v. Oetinger, Hänsel und Gretel und die Kuba-Krise. 13 Wege, Strategie neu zu denken. Hanser 2006

Iris und Jochen Grün, Do - der Weg. Die Weisheit Asiens. atmosphären; München 2005

Heidi Klum, Natürlich erfolgreich. S. Fischer Verlag 2005.

Marita Thiel, Erfolgsstorys. Deutsche Topmanagerinnen machen’s vor. Krüger 2002

Literatur: Focus Magazin Verlag/Unternehmen Erfolg Focus Forum: Die Erfolgsmacher, Von den Besten profitieren. Campus Verlag Frankfurt/New York 2004;

Wolf W. Lasko/Frank Frenzel, Die Magie der Erfolgreichen. Wetten, daß auch Ihr Talent geweckt werden kann? Junfermann Verlag, Paderborn 1996;

James M. Citrin/Richard A. Smith/Christine Stimpel, Das Geheimnis außergewöhnlicher Karrieren. Die fünf Prinzipien für den Weg an die Spitze. Basierend auf der Spencer Stuart-Studie. Campus Verlag Frankfurt/New York 2004;

Thomas Hohensee, Glücklich wie ein Buddha. Sechs Strategien, alle Lebenslagen zu meistern. Kreuz Verlag Stuttgart/Zürich 2003

Positive Glaubenssätze:

1. Erwarten Sie das Gute, nicht das Schlechte.
2. Andere Menschen können einen weder glücklich noch unglücklich machen.
3. Glauben Sie an Ihre Ziele. Verinnerlichen Sie sie.
4. Sehen Sie Rückschläge als Herausforderung und denken Sie: jetzt erst recht !
5. Unglück ist nicht ewig. Es kommt und geht.
6. Ziehen Sie keine Vergleiche.
7. Freuen Sie sich über Positives, ziehen Sie es nicht in den Schmutz.
8. Nicht die Umstände bestimmen Ihr Glück, sondern Ihre Gedanken.
9. Sie können denken, was Sie wollen. Nehmen Sie sich diese Freiheit!
10. Setzen Sie sich positive Ziele und grübeln Sie nicht über Negatives - schon gar nicht über Vergangenes.
11. Glück ist kein Zustand, sondern ein Prozess.
12. Lenken Sie sich durch etwas Angenehmes vom Traurigen und Schlechten ab. Gönnen Sie sich etwas Gutes !