Dienstag, 1. Oktober 2013

Buchkritik: Laura Dekker, Ein Mädchen, ein Traum

Eine moderne Amazone umsegelt die Welt


Laura Dekker setzte ihren Traum in die Realität um


Einen Riesenhype gab es in der Presse vor einigen
Jahren wegen einer jungen Niederländerin. Das
Mädchen namens Laura Dekker wollte mit einem
Segelboot die Welt alleine umrunden. Mit 13 Jahren
war Laura Dekker schon alleine nach England gesegelt.
Doch bis zum 16. Lebensjahr ist in den Niederlanden
Schulpflicht. In der Presse gab es einen Aufschrei
gegen eine 13jährige, die mit einem eigenen Segelboot
so ein Abenteuer auf sich nehmen wollte. Doch das
junge Mädchen gab nicht auf. Schlussendlich bereiste
sie die Welt und schrieb darüber ein Buch. Wer dieses
liest, lernt auch einmal die Sichtweise der Niederländerin
kennen. Es relativiert sämtliche Negativ-Schlagzeilen
aus der Boulevard-Presse. Der Preis, den Laura Dekker
zahlte, war hoch. Sechsmal musste sie nach eigenen
Angaben vor Gericht. Auch am Ende ihres Segelturns
dachte sie mit Grauen an jene Zeit zurück. Laura
Dekker wird durch ihr Buch als ein Mensch sichtbar,
der alleine sein kann, schon ziemlich eigenständig ist
und sehr medienscheu. Die vielen Kameras unterwegs
von Schaulustigen mochte sie nicht, vor allem
nicht direkt bei Landgang. Und auf hoher See besticht
ihre besondere Eigenschaft, in Seelenruhe Probleme
anzugehen. Einfach hatte es die Niederländerin nicht.
Geboren wurde sie als Tochter einer Deutschen und
eines Niederländers in Neuseeland auf einer Weltreise
ihrer Eltern. Die dauerte sieben Jahre lang. Im Alter
von sechs Jahren musste sie die Trennung ihrer Eltern
miterleben. Laura blieb auf eigenen Wunsch bei ihrem
Vater, der ihr das Autofahren beibrachte und sie in
ihren Segelambitionen unterstützte. Mit 15 Jahren
stach sie mit ihrer "Guppy" in See. Von den Niederlanden
nach Spanien, zu den Kapverdischen Inseln, dann
in die Karibik, von da durch den Panama-Kanal. Ferner
an Südafrika vorbei, nach Australien und in den
Pazifik. Sie las an Bord gerne, buk Brot, wusch
Wäsche, räumte auf, sah den Mond an, aß mit anderen
Seglern. Da sie wenig Geld hatte, trampte sie auch
schon mal. Doch auch ihre Schulaufgaben macht sie
an Bord gewissenhaft. Manchmal, wenn sie 100 Tage
alleine auf See war, fühlte sie sich auch mal einsam.
Aber sie genoss es, fremde Menschen zu treffen. Das
klingt alles fast zu einfach und schön, um wahr zu sein.
Doch die Niederländerin mit dem Segel-Gen bewies
allen, dass auch ein so junges Mädchen es alleine
schaffen kann. Astrid Lindgren mit ihren unangepassten
Figuren hätte wohl ihre Freude an ihr gehabt.
(c) Corinna S. Heyn

www.lauradekker.nl.

Laura Dekker,
Ein Mädchen, ein Traum.
Solo um die Welt.
Delius Klasing 2013

Donnerstag, 21. Februar 2013

Buchkritik: Wolfgang Traub, Flügel am Kopf

Ich bin dann mal kreativ

Jeder kann seine Kreativität schulen - ein Buch zeigt wie


Jeder Mensch ist kreativ. Das zumindest behauptet
Wolfgang Traub. Der gebürtige Frankfurter bestreitet
seit 30 Jahren seinen Lebensunterhalt mit Zeichnen,
Malen und Schreiben. In seinem launigen sowie
lehrreichen Buch "Flügel am Kopf" bringt er den
Leser auf die Spur des Unbewussten. Denn entgegen
dem System der  Logik forscht das Gehirn unbewusst
auch nach Lösungen. Beinahe unbemerkt sozusagen.
Vorausgesetzt, der Einzelne formuliert sein Problem
und lässt dann los. Verbissen nachzugrübeln bringt
nichts. Wer kennt das nicht: da fällt einem in einem
Gespräch ein Name nicht ein, aber später in der
Entspannung. Isaac Newton soll die mathematische
Formel für die Gesetze der Schwerkraft unter einem
Apfelbaum eingefallen sein. Als Newton nämlich ein
Apfel auf den Kopf fiel. Not macht übrigens erfinderisch.
Das Gehirn ist begierig danach, Lösungen zu finden.
Ein Steinmetz wollte sich in Zürich etablieren. Aber
ihm fehlte das Geld für Inserate. Da stellte er vor dem
Friedhof ein Fahrrad mit Flyern in einem Korb auf.
Diese Werbeidee fand ein Redakteur so gut, dass er
einen Artikel über den Handwerker mit Pfiff schrieb.
Jeder, der noch kreativer sein will, kann ein wenig
üben. Den Blickwinkel verändern oder die Übungen
mit Schriften, Assoziationen, Suchbildern oder
Grafiken aus dem Buch von Wolfgang Traub durcharbeiten.
Die machen Laune. Mal sollen Sätze mit ein und
demselben Buchstaben gebildet werden oder eine Firma
mit Filmstars besetzt werden. Das alles klingt ein wenig
nach Party-Spiel, ist jedoch äußerst kreativ. Wer im
realen Leben überzeugen will, braucht aber noch
mehr als gute Einfälle. Der Kunde muss sich wohlfühlen
und das Gefühl haben, dass er gemeint sei. Wie kreativ
ein Unternehmen geführt wird, steht ebenfalls in
der Neuerscheinung. Es soll für Nicht-Kreative als
Training gedacht sein, doch werden auch Künstler
ihren Spaß dabei haben.
(c) Corinna S. Heyn


Wolfgang Traub,
Flügel am Kopf.
Das Kreativitätstraining für Nicht-Kreative.
BusinessVillage Verlag 2013.