Mittwoch, 6. Juni 2012
Buchkritik: Jens Förster, Unser Autopilot
Ziele finden und umsetzen - wie Motivation funktioniert
Die psychologische Forschung hat neue Erkenntnisse über unser
Verhalten
Jens Förster wollte in die Niederlande ziehen und wurde
dort sogar Professor für Psychologie an der Universität
in Amsterdam. Er ist Direktor des Kurt-Levin-Instituts.
In seinem neuesten Sachbuch "Unser Autopilot" erklärt er,
was Menschen motiviert und was sie hemmt. Dabei lässt er
sehr viele seiner eigenen, persönlichen Erfahrungen
miteinfließen. Somit hat der Ratgeber auch eine sehr
intime Note, die den Wissenschaftler sehr menschlich
macht. So schwört Förster auf italienische Nudeln, obwohl
sie in der Blindverkostung nicht besser als deutsche Nudeln
schmecken. Der Mensch ist jedoch anpassungsfähig - bis zu
einem bestimmten Grad. Jens Förster selbst hat sich daran
gewöhnt, in den Niederlanden mittags ein Sandwich zu essen,
weil das so üblich ist. Andere Überzeugungen wie "Ich hasse
Mallorca" sind hartnäckiger. Dabei sei das Beharren auf einer
selbst gefassten Meinung unflexibel und sogar dumm. Jeder
kann sich verändern, wenn er das will. Davor steht jedoch
eine positive Grundhaltung. Wer über Fehler oder mögliche
Probleme grübelt, wird kein Ziel in Angriff nehmen. Das lenkt
zu sehr ab, lähmt sogar. Interessanterweise erscheinen Ziele
aus der Ferne sehr reizvoll. Wer ein Baby haben will, der
stellt sich das Familienleben rosig vor. Wenn das Kind dann
dauernd schreit, quengelt oder nicht schläft, sieht der Alltag
anders aus. Doch Optimisten kommen selbst damit klar. Es gibt
auch unangenehme Ziele wie eine Operation, die manche vor sich
herschieben. Die Angst davor kann durch das Vertauen zum Arzt
gemildert werden. Wann wird der Mensch am meisten motiviert?
Dazu gibt es Studien von A. W. Kruglanski. Sie besagen: "Je
weniger Mittel für ein Ziel zur Verfügung stehen, desto stärker
wird es aktiviert." Wer nur ein Ziel hat, der setzt alle
Energien hinein. Schlägt es allerdings fehl, gibt es so schnell
keine andere Alternative. Der Autor rät, nicht alles auf eine
Karte zu setzen. Er selbst ist Psychologie-Professor und
Chansonnier. Um Stress bei Misserfolgen zu reduzieren, sollten
soziale Kontakte als Ausgleich gepflegt werden. Wer sich zu
etwas berufen fühlt, wird es auch umsetzen, motiviert sein und
gute Leistungen bringen. Auch Lob von außen kann guttun.
Förster widerlegt aber, dass die Belohnung unbedingt nach einer
erbrachten Leistung erfolgen soll. Anscheinend schließt der Einzelne
sonst daraus, dass er auf die Aufgabe eigentlich gar keine Lust
hatte. Der Psychologe gibt Anleitungen, wie motivierend gelobt
wird. Wenn sich andere an dem eigenen Erfolg freuen, dasselbe
sagen, dann wirkt sich das positiv aus. Geld jedoch wirkt als
Motivationsbremse. Nichts motiviert so stark wie der Erfolg,
heißt es. Optimisten bringen die nötige Grundhaltung mit,
wodurch eher mit Erfolgsergebnissen zu rechnen ist. C. S. Carver
und M. F. Sheier belegten das. Optimisten sind sehr aktiv, sie
sehen Durststrecken als Lernerfahrungen und könen mit Stress
besser umgehen. Ideal ist eine Balance zwischen Problemlösen
und Zerstreuung. Das bestätigte Margaret Stroebe in ihrer Arbeit
zum Umgang mit Trauer. Bei aller Zielsetzung darf der Spaß an
der Tätigkeit nicht vergessen werden. "Nur derjenige ist ein
Gewinner, der auch beim Laufen Spaß hatte", formuliert es Jens
Förster in Bezug auf Olympioniken. Nicht erst der Gewinn der
Medaille macht alles aus. "Derjenige, der sich allein für den
Moment der Siegerehrung quält, hat das Wertvollste, was er hat,
vertan: seine Zeit", so Förster. Leben ist lebenslanges Lernen.
Rückschläge sind Lebenserfahrungen. So sollte die Flinte beim
ersten Hindernis nicht ins Korn geworfen werden. Schön ist, dass
auch das Unterbewusstsein an den Zielen arbeitet, wenn sich diese
im Kopf festgesetzt haben. Der Autopilot arbeitet zu unseren
Gunsten, wenn die Ziele tief verinnerlicht und verankert sind.
Das allein müsste Ansporn genug sein, die eigenen Wünsche endlich
wahr werden zu lassen. Ein kämpferisches Buch für alle, die
mehr Freude an der eigenen Lebensgestaltung haben wollen.
(c) Corinna S. Heyn
Jens Förster,
Unser Autopilot.
Wie wir Wünsche verwirklichen und Ziele
erreichen können.
Von der Motivationspsychologie lernen.
Deutsche Verlags-Anstalt 2012.
www.dva.de
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